„Knicken, reiben und riechen“

Mit Kräuterguide Martina Lenz auf botanischen Streifzüge am Fuße des Watzmann 

„Mein Job ist krisenfest und außerdem gesund“, lacht Martina Lenz. Seit 1999 durchstreift die sportliche Berchtesgadenerin als Kräuterguide mit ihren Hobbybotanikern Wald und Wiesen. Die vielfältige Flora rundum das mächtige  Watzmanngebirge bietet fast zu jeder Jahreszeit neue Blüten, Gräser oder Pflanzen. „Was da so wächst und gedeiht, auf den Wiesenmatten, vor allem Kräuter, ist eine Wissenschaft für sich, die ich erst nach und nach erlernen konnte“, meint Martina Lenz (47). „Für meine Kräutergruppen melden sich Apotheker, Hobbybotaniker oder ganz einfach Menschen, die gerne in Gesellschaft wandern.“ 

Unterwegs in der Natur zu sein, das ist für Martina das Höchste. Nach dem Klettern und Bergsteigen kommen gleich die Kräutertouren auf denen es jedes Mal etwas Neues zu entdecken gibt.
Vom einmaligen Bergpanorama der Berchtesgadener Alpenwelt umgeben, bevorzugt Martina die Feucht-, Berg- und Streuwiesen rund um Berchtesgaden, Bischofswiesen und Schönau am Königssee. Ab und an kommt sie auch beim ehemaligen Magda-Schneider-Haus vorbei, wo die legendäre „Sissi“, Romy Schneider ihre Kinder- und Jugendzeit verbracht hat.

Mit der Zeit hat sie sich ein enormes Wissen angeeignet und beherrscht das Kräutereinmaleins perfekt. Beim Durchqueren der üppigen Blumenwiesen gibt sie gerne Tipps zum Beispiel für einen gesunden Tee, einen leckeren Salat oder, wie heilsame  Duftkissen gefüllt sein sollten, damit sie gegen so manches Wehwehchen wirksam sind. Martina weiß genau, wo das richtige Kraut gewachsen ist. War für den unkundigen Teilnehmer zuvor eine Sommerwiese lediglich ein bunter Teppich mit unzähligen Blüten, Blättern und Gräsern, so schafft sie es, dass jede durchquerte Wiese zum botanischen Erlebnis wird. „Da ist der wilde Thymian, der ganz lecker auf die Pizza schmeckt. Rossminze genießt man als Teegetränk. Ihre Zauberformel dabei lautet: Knicken, reiben, riechen. „Auf diese Weise beginnt man die Pflanzen zu identifizieren. Denn manch frappante Ähnlichkeit, wie Bärlauch- mit Maiglöckchenblättern, kann zu gefährlichen Verwechslungen führen“, warnt sie. „Denn giftige Substanzen im  Salat oder dem Brot können böse Folgen haben.“

Für ihren morgendlichen Vitaminstoß verrät Martina ihr ganz persönliches Geheimrezept. „Meine sogenannten Smoothies, wie man heute sagt, püriere ich mir aus Giersch und Schafgarbe mit Buttermilch, Banane und einem Schuss Apfelsaft.“ So eine gesunde und frische Mixtur kann man wohl nirgends kaufen.

Dass nach dem 90-minütigen Rundgang noch lang nicht alles zu dem Thema Wiesenblumen und -kräuter gesagt ist, dafür sind die Sommerwiesen zu bunt und vielfältig. Bei einem Genussmenü im „Hotel Edelweiß“jedoch, das ganz zentral im Ortskern von Berchtesgaden liegt und neben kulinarischen Köstlichkeiten auch noch eine Terrasse mit Alpenpanorama bietet, bekommt man noch eine zusätzliche Kräuterlehrstunde sozusagen tellerweise serviert. Der Oberösterreicher Christoph Schimpl (38) schwingt in seiner Hotelküche nicht nur den Kochlöffel, sondern liebend gerne auch das Kräutermesser. „Für eine Vinaigrette verwende ich Kerbel, Melisse und Schnittlauch. Rosmarin, Basilikum, Erdbeere und Minze ergeben die richtige Mischung für ein sommerfrisches Sorbet. Im Kräuteromelett und der Quiche dürfen Petersilie, Thymian und vor allem Liebstöckel nicht fehlen.“ Sogar der Hauscocktail enthält frische Zitronenmelisse, etwas Weißwein und Holundersirup. Die Hotelchefin Martina Hetteker ergänzt: „In unserem SPA spielen natürliche Pflanzenaromen und – Zusätze eine große Rolle. Ein Heublumenbad auf der Wasserschwebe wirkt entspannend und entschlackend zugleich.“ Und noch dazu kommen die natürlichen Wirkstoffe direkt von der Alm des Großvaters aus Großarl.