Der Fado – ein portugiesisches Gefühl

Der Fado – ein portugiesisches Gefühl - (c) Gabi Dräger

Der Fado – die melancholische Musik, gehört zu Lissabon wie die Azulejos – die zumeist blauen Kacheln, der Bacalhau – der Stockfisch und die Pastéis de Nata – die mit Creme gefüllten Blätterteigtörtchen. Mit jeder Note des Fados ist man mit den Sängern, den Gitarrenklängen und sogar mit ganz Lissabon verbunden.

„Silêncio por favor“ kommt die Aufforderung, ruhig zu sein in Portugiesisch und dann in Englisch „Silence, please“, sagt ganz energisch Rui Marques, der Besitzer des kleinen Fado-Restaurants „A Baiuca“ in der Alfama in Lissabon. Dann wird das Licht gedimmt. Zwei Gitarrenspieler beginnen mit einem Instrumental-Stück. Einer hat eine klassische Gitarre mit sechs Saiten und der andere eine portugiesische Gitarre mit zwölf Saiten. Rui Marques singt als erstes, dann folgt Odete, eine Fado-Sängerin, die von außen hereinkommt und im Türrahmen stehen bleibt. Beim Singen klopft sie hin und wieder an die Metalltüre. Ein älterer Mann mit Käppi kommt herein und singt ein sehr traurig klingendes Lied. Dann kommt der Highpoint des Abends: Maria, die Fado-Sängerin steht auf und singt. Der Fado verzaubert die Stimmung. Keiner redet, alle hören andächtig zu.

Lieder von unglücklicher Liebe
Es ist ein besonderer Moment, alle sind durch den Fado miteinander verbunden. Die Lieder handeln von einer unglücklichen Liebe, verflossenen Zeiten und von dem Wunsch und der Sehnsucht nach einer besseren Zeit. Es wird Käse, Salat mit Bohnen und Schinken serviert, dazu trinkt man einen Vinho verde, einen frischen Weißwein. Bis etwa Mitternacht wird mit Pausen gesungen. Selbst die Köchin zeigt ihr Talent: Sie kommt mit einem weißen Haarnetz und einer Küchenschürze gekleidet aus der Küche und singt auch ein paar Lieder.

Fado und Fußballschals im Bairro Alto
Im Fado-Restaurant “Tasca do Chico” ist die Decke mit Fußballschals dicht an dicht dekoriert. Zur Chouriço Assado, der scharfen flambierten Wurst bestellt man am besten einen halben Krug Vinho Verde da Casa. Wenn Filipa, eine Fado-Sängerin, und Ricardo und Fernandes, die zwei Gitarrenspieler, beginnen, dann wird die Tür geschlossen, um die Musik des gegenüberliegenden Fado-Restaurants auszublenden. Die Stimmung ist ergreifend, auch ohne Portugiesisch zu können, versteht man die Melancholie – das ist ein emotionaler Abend.

Clube de Fado – elegant und professionell
In dem verwinkelten Stadtteil Alfama stehen auf jeder freien Stelle Tische und Stühle. Viele Straßen sind so eng, dass kein Auto durchfahren kann. Es gibt viele kleine Cafés, Bars und Restaurants und viele Fado-Lokale. „Clube de Fado“ ist ein edles Fado-Lokal. Das Steak ist exzellent, die Musik sehr professionell, dafür ist das Restaurant auch ein wenig größer und viel teurer. Es ist ein altes Gewölbe, das dezent stilvoll eingerichtet ist. Es werden immer drei Lieder gesungen, und dann flitzen die Ober im Eiltempo herum und bedienen den nächsten Gang. Die Melancholie im Gesang mischt sich perfekt mit dem Genuss der Küche. Das Fado-Restaurant ist auch bei Prominenten begehrt, Cristiano Ronaldo und Woody Allen waren schon da.

Die Geschichte des Fados
2011 wurde der Fado in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen. Zuerst wurde der Fado in den Armenvierteln Lissabons in zumeist zwielichtigen Kneipen gesungen. Es war die Musik der Seeleute, der Huren, Zuhälter, Kriminellen und verkrachter Existenzen. Im 19. Jahrhundert kam der Fado in Mode und wurde salonfähig. Die bedeutendste Fado-Sängerin im 20. Jahrhundert war Amália Rodrigues. Sie trat weltweit auf und war damit die erfolgreichste Fado-Botschafterin. Sie wurde von den Portugiesen auch als Königin des Fados bezeichnet. Das wohl bekannteste Lied von ihr ist „Coimbra“, mit dem sie auch bekannt wurde.

Ein Tipp für den Fado
In kleinen Fado-Restaurants sitzt man ganz nah an der Musik und die Atmosphäre ist traditionell. In großen Fado-Restaurants sitzt man zwischen vielen großen Reisegruppen.

Kontakt
Portugal Tourismus www.visitportugal.com
Lissabon Tourismus www.visitlisboa.com/de

Eine Auswahl an Fado-Restaurants
A Baiuca, Rua de S. Miguel Nr. 20, Alfama
Rua de S. Miguel Nr. 20, Alfama (Das Fado-Restaurant hat nur etwa 30 Plätze, man muss unbedingt reservieren)
Tasca Do Chico, R. do Diário de Notícias 39, 1200-141 Lisboa, Portugal. Das Fado-Restaurant hat nur etwa 30 Plätze, man muss unbedingt reservieren.
Clube de Fado, Rua São João da Praça 92/9, www.clube-de-fado.com. Obwohl das Fado-Restaurant größer ist, muss man reservieren, weil es angeblich, das Beste der Stadt ist.

 

Der Fado – ein portugiesisches Gefühl - (c) Gabi Dräger
Der Fado – ein portugiesisches Gefühl - (c) Gabi Dräger
Der Fado – ein portugiesisches Gefühl - (c) Gabi Dräger
Der Fado – ein portugiesisches Gefühl - (c) Gabi Dräger

Über den Autor

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Gabi Dräger

Wo findet man Gabriele Dräger in den Bergen? Natürlich in einer Alm bei einer Brotzeit., denn Almen mit guter Küche ziehen sie magisch an. Gipfel nimmt sie auch hin und wieder mit. So hat sie einige 5.000er beim Trekking in Süd Amerika und Nepal, bestiegen. Ihre Hochleistung war der Kilimandscharo mit 5.895 Meter. Kultur und Brauchtum faszinieren sie genauso, wie Städte und Kunstausstellungen. Obwohl sie gerne in urigen Berghütten übernachtet ist sie dem Luxus von guten Hotels nicht abgeneigt.