Hallertau – Wo Bayern richtig bayrisch ist

Der Hopfengarten wird besichtigt und es gibt eine Aufklärung über Hopfen

Blauer Himmel, weiße Wolken, Hügel, Laubwälder, Hopfengärten, und kleine Dörfer, die wie in die Landschaft eingewürfelt sind – das ist die Hallertau. Diese Kulturlandschaft bietet die Lebensgrundlage für die Menschen dort.

Die Hopfenführung in der Hallertau beginnt mit einem Bier, nein, weit gefehlt. Elisabeth Stiglmaier, die Hopfenbäuerin, in Attenhofen serviert als erstes einen bitterschmeckenden Tee, der aus Hopfendolden ist und sehr gesund sein soll. Anschließend wird der Hopfengarten besichtigt und sie gibt eine Aufklärung über Hopfen.

Hopfenerlebnishof
In der „Bayerischen Toskana“, der Hallertau liegt der Hopfenhof der Familie Stiglmaier. Elisabeth ist Hopfenbäuerin, sie hat sich als Hopfenbotschafterin ausbilden lassen, außerdem ist sie Bier-Sommelière, Gartenbäuerin und Kirchenführerin. Ihr Motto ist: „Riechen, tasten, schmecken – den Hopfen und das daraus gebraute Bier mit allen Sinnen wahrnehmen. Sie wurde in Taufkirchen in Bayern geboren und wurde Krankenschwester. Als siein Landshut zum Tanzen ging, hat sie den Hopfenbauer Franz Stiglmaier kennengelernt, das hat sie in die Hopfengegend verschlagen. Die Stiglmaiers haben vier Kinder, ein Sohn ist auch schon ausgebildeter Hopfenbauer. Die Familie der Stiglmaier hat 20 Hektar Anbaufläche und sie kann auf eine lange Erfahrung zurückblicken, denn sie baut schon in der sechsten Generation Hopfen an.

Geschichte des Hopfens
Nach den Kelten kamen die Römer in die Hallertau, sie bauten Wein an, denn Wein war aus dem Alltag der Römer nicht wegzudenken. Doch der Wein war sauer und schmeckte nicht so gut. Die Wenden, ein slawischer Volksstamm, ist in die Region gekommen, nachdem die Römer abgezogen sind und haben die ersten Hopfengärten angelegt. Hopfen braucht weniger Wärme als Wein, aber dafür viel Wasser, was durch den Regen in der Region normalerweise gegeben ist. Der Hopfenanbaugeht bis ins 8. Jahrhundert zurück, so wird in der Hallertau schon seit mehr als tausend Jahren Hopfen angebaut. Inzwischen ist die Hallertau das größte zusammenhängende Anbaugebiet der Welt. Die Städte Ingolstadt, Kehlheim, Landshut, Moosburg, Freising und Schrobenhausen begrenzen das 65 mal 50 Kilometer große Gebiet des Hopfenanbaus. Ein Hopfenbauer in der Hallertau hat heute eine durchschnittliche Größe von eigentlich durchschnittlich 17 Hektar. 30 bis 40 Hektar dagegen braucht ein Hopfenbauer, wenn er davon leben will. Und wo kommt der Name Hallertau her? Es ist nicht bewiesen, dass ein Fürst, als er 1313 in der Schlacht von Gammelsdorf Probleme bekam, um Hilfe rief: „Hol’ Er d’ Auer“. Daraus soll sich der Name Hallertau für die Region um Au entwickelt haben. Hallertau kommt von dem Namen Hallerthaw und heißt alles umgebender schützender Wald. Was nun die Geschichte wirklich ist…?

Die Hopfenpflanze
Die Hopfenpflanze ist eigentlich nur bei Biertrinkern bekannt, weil sie zum Bierbrauen verwendet wird. Etwa 97 Prozent der Hopfenernte wird für die Bierherstellung verwendet. Er verleiht dem Bier seine typische Bitterkeit und macht es haltbar. Die Hopfeninhaltsstoffe wirken beruhigend, konservierend und schaumstabilisierend. Der Hopfen ist rar auf der Welt und etwas ganz Besonderes. Er gehört zu der Familie der Hanfgewächse und ist eine Kletterpflanze, die im Uhrzeigersinn wächst, also rechtsrum. Alle Hopfen-Arten kommen nur auf der nördlichen und südlichen Halbkugel zwischen dem 35. und 55. Breitengrad vor. Beim Hopfen gibt es weibliche und männliche Pflanzen. Im Hopfengarten werden nur weibliche Pflanzen angebaut und die dürfen nicht vom männlichen Hopfen befruchtet werden, denn dann würde das Bier nicht mehr schäumen. In der Hallertau werden ca. 30 verschiedene Hopfensorten angebaut, 60 Hopfensorten gibt es in Deutschland und ca. 200 Hopfensorten gibt es sogar weltweit. Eine Hopfenpflanze kann 40 Jahre alt werden. Die Hopfenpflanze gehört zu den ursprünglich europaweit am schnellsten wachsenden Pflanzen. Sie kann am Tag zehn oder sogar bis zu 30 Zentimeter wachsen. Sie rankt am Draht im Uhrzeigersinn nach oben. Außerdem ist sie durstig, sie braucht im Juni, Juli und August etwa 100 Liter Wasser per qm und Monat. Neue Hopfenpflanzen brauchen drei Jahre bis sie erwachen sind und genug Dolden produzieren.

Hopfen-Anbau im Laufe des Jahres
Der erste Schritt des Hopfenanbaus beginnt schon Ende März bis Anfang April mit dem „Hopfenhaun“, dem Zurückschneiden der Hopfenpflanzen, die sehr zahlreich auswachsen. Meistens ist es noch bitterkalt und der Boden ist oft noch gefroren. Die Wurzel wächst bis zu vier Meter tief in die Erde. Als nächstes werden die Drähte mit einer Frontladerkanzel, in der sich drei Arbeiter befinden, oben am Drahtgerüstsystem befestigt und unten am Boden wird der Draht in den Boden mit einer Stechlanze manuell eingestochen. Jedes Jahr müssen 80.000 Drähte neu gespannt werden. Dann kommt das „Hopfenkreiseln“, das heißt, es gibt zu viele Triebe, die mit dem Bulldog reduziert werden müssen und 20 bis 30 Triebe bleiben stehen. Der Boden wird immer wieder aufgelockert, das Gras entfernt und Mineralstoffe werden zugeführt. Der nächste Schritt ist das „Hopfenausputzen“ oder „Anleiten“, so dass nur noch sechs Triebe, natürlich die schönsten, stehen bleiben. Nach stürmischen Tagen müssen die Hopfenpflanzen zum Teil wieder an die Drähte zurückgedreht werden. Dann kommt das „Entlauben“, bis in eine Höhe von 80 Zentimetern werden die Blätter mit der Hand abgezupft. Hopfenwächst in der Regel sieben Meter am Aufleitdraht hoch. Im Juli blüht der Hopfen, die Blüten sind klein, haben eine weißgelbliche Farbe und haben die Form eines gefächerten Pinsels. Bis Johannis wächst die Pflanze sieben Meter in die Höhe und ab da in die Breite. Zwei bis drei Wochen nach der Blüte entstehen die Dolden und dann wird geerntet. Die Feinde des Hopfens sind Hagel und Schädlinge, wie Blattläuse, Mehltau und Pilzerkrankungen.

Hopfenernte heute
Es ist Herbst, wenn der würzig-aromatische Duft von Hopfen in der Luft liegt, dann ist Erntezeit. Anfang September, wenn der Hopfen reif ist, wird geerntet, je nach Regen und Sonne. Vor den Höfen stehen die Traktoren mit beladenen Anhängern und auf den Feldern arbeitet die Hopfenbauerfamilie und ein paar Saisonarbeiter. Heute werden die Hopfenpflanzen Reihe für Reihe mit einem Abreißgerät abgeschnitten und die Pflanzen mit dem Draht fallen auf den Wagen. Am Hof kommen die Hopfenpflanzen in die Hopfenzupfmaschine, die trennt die Dolden von den Stielen und Blättern. Anschließend wird die Ernte getrocknet und kommt als Naturhopfen in Säcken verpackt in den Verkauf. Die Ernte ist eine stressige Zeit. In der Pause gibt es Schuxen, das ist ein flaches Schmalzgebäck, das nicht süß schmeckt und zumeist aus 1/3 Roggenmehl, 2/3 Weizenmehl, Salz und Hefe hergestellt wird. Und was trinkt man dazu, natürlich ein frisches Bier.

Doldenverkauf
Die getrockneten Dolden verkaufen die Hopfenbauern an Großhändler oder direkt an Brauereien. Aus zwei Hektar Fläche kann der ganze Bierverbrauch für das Oktoberfest beliefert werden. 30 Prozent der Dolden werden in Deutschland verkauft, 70 Prozent werden unter anderem nach Russland, Südamerika und die USA exportiert. Durch den Trend des Craft-Biers ist der Hopfenbedarf gestiegen und der Preis deshalb auch.

Hopfenernte früher
Früher dauerte die Hopfenerste etwa drei Wochen. Auf einem Feld haben damals etwa 30 Hopfenzupfer per Hand die Dolden geerntet. Das war eine schwere Arbeit für Saisonarbeiter, denn der Hopfen hat Widerhaken wie Brombeeren. Das Essen war während der Erntezeit einfach. Zur Belohnung nach erfolgreicher Ernte wurde von der Hopfenbauerin ein Hopfenmahl aufgetischt. Es gab zuerst eine deftige Nudelsuppe, dann Schweinebraten, Semmelknödel, Sauerkraut und Hopfenzupfersalat, das ist Kartoffelsalat mit Gurke. Was wird dazu getrunken? Natürlich ein frisches Bier. Die Hopfenzupfer freuten sich über das Festmahl, sie wurden für ihre Arbeit bezahlt und sie freuten sich, dass sie wieder nach Hause fahren konnten. (Zu den Festmahlrezepten)

Bier-Neue Hopfensorten werden mit männlichen Hopfen entwickelt
Natürlich gekreuzt Hopfenforschung Hüll. Craftbier ist heute im Trend. Neue Sorten sind die Special Flavor Hops, das sind die seit 2006 gezüchteten Aroma-Hopfensorten mit einem fruchtigen Geschmack für die Craft-Biere wie Mandarina Bavaria, Hüll Melon, Polaris und Hallertau Blanc. Aroma-Hopfen sind die qualitativ hochwertigsten und teuersten Hopfensorten. Ein Craft Bier braucht drei Mal mehr Hopfen als Pils und wird bei der Lagerung noch einmal gehopft. Die edelsten Aromahopfensorten sind die alten Landsorten „Hallertauer Mittelfrüher“, „Spalter“, „Tettnanger“, „Hersbrucker Spät“ und der tschechische „Saazer“, die allerdings sehr empfindlich gegenüber Pilzkrankheiten und Schädlingen sind.

Der gesunde Hopfen
Echter Hopfen wurde 2007 zur Arzneipflanze gekürt. Bevor der Hopfen beim Bierbrauen eingesetzt wurde, hat man schon seine heilende Wirkung genutzt. Die antiseptische Kraft des Hopfens wurde bereits im Jahr 1153 nach Christus von Hildegard von Bingen mit den Worten „seine Bitterkeit verhindert die Fäulnis“ beschrieben. Die Dolden besitzen die Lupulindrüsen in denen Xanthohumol produziert wird. Das Xanthohumol hat eine hohe anti-krebserregende Wirkung. Hopfen hat zudem eine antibakterielle Wirkung, ist gut gegen Malaria und Osteoporose und ist außerdem sehr beruhigend. Die Hopfenapotheke in Geisenfeld ist spezialisiert auf Hopfenprodukte. Andere Hopfenprodukte sind Hopfensenf, Hopfentinkturen, Hopfenkissen, und Hopfenseife. Die jungen Hopfensprossen gelten als Delikatesse. Sie werden im April, wie Spargel unter der Erde geerntet und haben einen feinen harzigen Geschmack. Ganz im Trend ist auch Bierschokolade von Lutzenburger aus Mainburg, die mit Biercreme gefüllt wird.

Hopfenmuseen
Das Deutsche Hopfenmuseum in Wolnzach, genau im Zentrum der Hallertau, ist mit den typischen schrägstehenden Hopfenstangen dekoriert. Die Ausstellung zeigt die regionale Hopfengeschichte. Im Hallertauer Hopfen- und Heimatmuseum in Geisenfeld und im Heimatmuseum Hörgertshausen wird ebenso ein Überblick über die Geschichte des Hopfenanbaus gezeigt, die mit Volkskunst und landwirtschaftlichen Geräten ergänzt wird.

Die Bayerische Bierstraße führt von Ingolstadt bis nach Kelheim durch die Hallertau mit ihren Hopfengärten. Die Deutsche Hopfenstraße ist die B 301.

Rezepte für das Hopfen-Festmahl

Trinksprüche:
Hopfen geht nicht ohne Bier und Bier geht nicht ohne Hopfen.
Hätte Adam im Paradies bayerisches Bier besessen, hätte er den Apfel nie gegessen.
Melkt der Bauer seinen Stier, Trank der Bazi zu viel Bier.

Kontakt
Elisabeth Stiglmaier, www.hopfenfuehrung.de,
Hopfenführungen in Gruppen und Einzelgäste gegen Anmeldung.
Hopfenapotheke Geisenfeld www.hopfen-apotheke.de

Der Hopfengarten wird besichtigt und es gibt eine Aufklärung über Hopfen
Im Juli blüht der Hopfen, die Blüten sind klein, haben eine weißgelbliche Farbe und haben die Form eines gefächerten Pinsels.
Im Hopfengarten werden nur weibliche Pflanzen angebaut und die dürfen nicht vom männlichen Hopfen befruchtet werden
In der „Bayerischen Toskana“, der Hallertau liegt der Hopfenhof der Familie Stiglmaier. Elisabeth ist Hopfenbäuerin, sie hat sich als Hopfenbotschafterin ausbilden lassen

Über den Autor

Gabi Dräger

Wo findet man Gabriele Dräger in den Bergen? Natürlich in einer Alm bei einer Brotzeit., denn Almen mit guter Küche ziehen sie magisch an. Gipfel nimmt sie auch hin und wieder mit. So hat sie einige 5.000er beim Trekking in Süd Amerika und Nepal, bestiegen. Ihre Hochleistung war der Kilimandscharo mit 5.895 Meter. Kultur und Brauchtum faszinieren sie genauso, wie Städte und Kunstausstellungen. Obwohl sie gerne in urigen Berghütten übernachtet ist sie dem Luxus von guten Hotels nicht abgeneigt.