Weingut Schönhals – Der Natur ihren Rhythmus lassen

Weingut Schönhals – Der Natur ihren Rhythmus lassen - (c) Carola Faber

Wein entsteht nicht allein im Keller. Sein Ursprung liegt im Rhythmus der Natur – im Wechsel von Sonne und Schatten, Jahreszeiten und Mondphasen, Wachstum und Ruhe. Diesen natürlichen Takt nimmt das Weingut Schönhals zum Ausgangspunkt seiner Arbeit. Statt die Prozesse im Weinberg zu kontrollieren, versteht sich das Team als Begleiter: eingreifen, wenn es nötig ist, und ansonsten der Natur ihren Raum lassen.

Seit mehr als drei Jahrzehnten wird das Weingut ökologisch bewirtschaftet. 2018 übernahm Hanneke Schönhals den Betrieb von ihrem Vater Eugen, einem Bio-Pionier. Seither entwickelt sie die biodynamische Arbeitsweise konsequent weiter. Im Mittelpunkt stehen dabei gesunde Böden, handwerkliche Qualität und die Frage, wie Weinbau unter den Bedingungen des Klimawandels zukunftsfähig bleiben kann. Das Weingut ist Mitglied im Demeter-Verband und arbeitet nach dessen biodynamischen Richtlinien.

Wo der Wein seinen Charakter findet
Rund 13 Hektar Rebfläche liegen im Herzen Rheinhessens. Die Böden erzählen dabei eine Geschichte, die weit zurückreicht: Vor rund 30 Millionen Jahren war die Region Teil eines Meeresarms. Kalkreiche Schichten und fruchtbarer Löss bilden heute die Grundlage für den Weinbau.

Besonders wichtig ist Hanneke Schönhals das Leben unter der Oberfläche. Eine ökologische Bewirtschaftung fördert den Humusaufbau, verbessert die Fähigkeit des Bodens, Wasser zu speichern, und unterstützt einen ausgewogenen Nährstoffhaushalt. Zwischen Rebstöcken, Kräutern und Gräsern entsteht so ein vielfältiger Lebensraum. Denn je lebendiger der Weinberg, desto widerstandsfähiger können sich die Reben entwickeln.

Weine mit Blick nach vorn
Was im Weinberg beginnt, setzt sich im Keller fort. Spontangärungen, lange Maischestandzeiten und eine möglichst schonende Verarbeitung sollen nicht überformen, sondern sichtbar machen, was Lage und Jahrgang mitbringen. So entstehen Weine, die ihre Herkunft nicht verstecken, sondern von ihr erzählen.

Neben Riesling und den klassischen Burgundersorten setzt das Weingut zunehmend auf neue, pilzwiderstandsfähige Rebsorten. Saphira, Cabernet Blanc oder Satin Noir eröffnen nicht nur neue Aromawelten, sondern können durch ihre natürliche Widerstandsfähigkeit auch einen Beitrag zu einem klimaangepassten Weinbau leisten. Die Zukunftsweine bilden einen Ansatz, der Tradition und Aufbruch verbindet. Und vielleicht liegt genau darin der besondere Rhythmus des Weinguts Schönhals: aufmerksam bleiben, Neues wagen – und dabei nie den Takt der Natur aus dem Blick verlieren.

ORANJE Orange Wine 2024
Ein Name mit Augenzwinkern, ein Wein mit Haltung: Oranje ist Hanneke Schönhals’ Interpretation eines Orange Wines – und eine Hommage an ihre niederländischen Wurzeln. Die Idee entstand bereits 2015 während einer Berliner Naturwein-Tour. Für die Umsetzung war schnell klar: Cabernet Blanc sollte es sein. Die kleinbeerige Rebsorte bringt eine markante Schale mit, die bei der Maischegärung ihren ganzen Charakter entfalten kann.

Für den Jahrgang 2024 wurden die Trauben von Hand gelesen und in zwei Partien verarbeitet. Ein Teil wurde mit den Füßen gestampft und spontan zehn Tage auf der Maische vergoren. Der zweite Teil durchlief zunächst eine fünftägige semi-kohlensäurehaltige Gärung in ganzen Trauben, bevor er eingemaischt wurde und weitere fünf Tage auf der Schale blieb. Anschließend reifte der Wein zwölf Monate im Barrique. Minimal geschwefelt und unfiltriert abgefüllt, zeigt er sich trocken, eigenständig und mit markanter Tiefe.

Im Glas wirkt Oranje kraftvoll und zugleich lebendig. Zitruszeste, getrocknete Aprikose und Kräuter verbinden sich mit einer feinen Gerbstoffstruktur. Dazu kommen würzige, leicht erdige Nuancen und ein langer, trockener Nachhall. Kein glattgebügelter Weißwein, sondern ein charaktervoller Naturwein mit Ecken, Kanten und erstaunlicher Spannung.

Pinot Blanc Handschrift 2022
Der Name ist Programm: Handschrift steht für einen Weißburgunder, der seine Herkunft und die Art seiner Entstehung deutlich erkennen lässt. Die Trauben stammen aus der Lage „Steine“, deren Muschelkalkboden dem Wein seine besondere mineralische Prägung verleiht. Vollreif und selektiv von Hand gelesen, werden die Trauben noch im Weinberg mit den Füßen angequetscht. Nach einem Tag auf der Maische wird schonend gepresst.

Der Most gelangt direkt in gebrauchte Barriques, wo er spontan vergärt und anschließend rund zwölf Monate auf seiner Entwicklung begleitet wird. Der Jahrgang 2022 wurde unfiltriert und mit nur sehr wenig Schwefel abgefüllt.

Im Duft treffen reife Birne, geröstete Haselnuss und ein Hauch von Brioche aufeinander. Im Mund zeigt der Wein viel Substanz, bleibt dabei aber erstaunlich geschmeidig. Eine feine Würze, dezente Holznoten und eine tragende Säure sorgen für Balance. Mit Luft gewinnt er zunehmend an Tiefe und wirkt fast wie ein Weißwein mit der Struktur eines Rotweins. Der Nachhall bleibt lange präsent – warm, präzise und einladend.

Pinot Noir Rosenberg 2021
Der Pinot Noir Rosenberg 2021 stammt aus einer kleinen Parzelle in der Premiumlage am Biebelnheimer Rosenberg. Kalkreicher Untergrund und eine fruchtbare Löss-Lehm-Auflage treffen hier auf einen noch jungen Weinberg, der bereits erstaunliche Reife und Tiefe zeigt. Die Trauben werden von Hand gelesen und sorgfältig entrappt. Anschließend bekommt der Wein viel Zeit: 18 Monate verbringt er im neuen Barrique.

Das Ergebnis ist ein Pinot Noir mit klarer Frucht und kraftvoller Struktur. Im Mittelpunkt steht die saftige Anmutung dunkler Kirschen, begleitet von feinen Röstaromen und einem Hauch von Gewürzen. Das Holz drängt sich nicht in den Vordergrund, sondern legt sich wie eine feine Kontur um die Frucht. Eine frische Säure bringt Spannung und verhindert, dass der Wein zu schwer wirkt.

Am Gaumen verbindet sich Kraft mit einer bemerkenswerten Geschmeidigkeit. Der Wein besitzt Wärme, Länge und eine Struktur, die auf weiteres Reifepotenzial schließen lässt. Ein Pinot Noir, der nicht auf schnellen Genuss setzt, sondern mit jedem Jahr im Keller an Nuancen gewinnen dürfte. Die verfügbare Menge ist entsprechend klein – ein Wein zum Einlagern, Wiederentdecken und Vergleichen.

Weingut Schönhals
Hauptstraße 23
55234 Biebelnheim / Rheinhessen
https://www.weingut-schoenhals

Über den Autor*Innen

Carola Faber

Carola Faber

Seit mehr als 30 Jahren ist Carola Faber als freie Journalistin sowie Fotografin für verschiedene landesweite Printtitel und renommierte Online-Magazine aktiv. 2010 erhielt sie einen Fotopreis der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung. Außerdem hat sie bei der Hannoverschen Allgemeinen an der Serie "Mein Ausflug" mitgewirkt, der den European Newspaper Award erhielt. Seit 2013 erhielt sie im Rahmen der ITB beim Journalistenpreis Irland regelmäßig einen Platz unter den TOP 10. In Spanien wurde sie mit dem Internationalen Medienpreis der Costa Brava “Counties G! Awards” ausgezeichnet.