Noch vor einer Generation war der deutsche Wein nicht das, was er heute ist. Zumindest nicht in der Breite. Und die Winzer arbeiteten oft mehr gegeneinander als miteinander. Gleichzeitig wuchs eine neue Generation von Weinmachern und zunehmend auch Weinmacherinnen heran. Meist sehr gut ausgebildet, mit Praktika auf der ganzen Welt, mehrsprachig, mit vielen neuen Ideen. Um ihnen bei der Weiterentwicklung des deutschen Weins eine gemeinsame Plattform zu bieten, rief das Deutsche Weininstitut (DWI) im Frühsommer 2006 die „Generation Riesling“ ins Leben. Heute gehören ihr mehr als 500 junge Winzerinnen und Winzer im Alter bis zu 35 Jahren aus allen 13 Anbaugebieten an. Vor kurzem feierten sie in Mainz ihr 20-jähriges Jubiläum. Um den Unterschied zwischen dem Weinmachen von gestern und dem Weinmachen von heute besser verstehen zu können, haben wir mehreren von ihnen zwei immer genau gleiche Fragen gestellt:
A: Was machen Sie als Teil der Generation Riesling Ihrer Ansicht nach besser oder zumindest anders als die Generation davor?
B: Und was können Sie von dieser Generation immer noch lernen?
Hier ihre Antworten.
Johannes Gröhl, 28, Weingut Gröhl, Weinolsheim/Rheinhessen
A: Es ist mir gelungen, den ohnehin schon guten Wein meiner Eltern noch einmal weiterzuentwickeln und den nächsten Qualitätssprung zu vollziehen.
B: Manchmal etwas mehr Ruhe und Gelassenheit, vor allem während der Lese.
Anja Seybold, 34, Weingut Gemmrich, Beilstein/Württemberg
A: Wir haben heute ein anderes Auftreten im Marketing, die Etiketten sind etwas frecher, die Weilstilistik etwas jünger.
B: Die Tradition mit dem Modernen zu verbinden, das konnten die Älteren besser.
Christopher Köhr, Weingut Köhr, 35, Ruppertsberg/Pfalz
A: Wir haben uns mit anderen Rebsorten wie etwa Syrah breiter aufgestellt und arbeiten die Charakteristika unser Rebsorten stärker heraus.
B: Mir geht es weniger ums Lernen, als um andere Dinge. Etwa sich wie mein Vater frisches Denken zu bewahren, sich zu hinterfragen, neugierig zu sein und offen zu diskutieren.
Theresa Erbeldinger, 31, Weingut Bastianshauser Hof Sebastian Erbeldinger, Bechtheim-West, Rheinhessen
A: Ich mache nichts besser, aber anders. Mit einem detaillierteren Blick als früher. Und der Einstellung, vieles zu überdenken.
B: Gelassenheit, Geduld, nicht alles auf einmal machen, sondern Schritt für Schritt.
Fabian Noll, Weingut Noll, 32, Buggingen/Baden
A: Ich bin stolz darauf, dass es mir und uns gelungen ist, den Betrieb von einem landwirtschaftlichen Mischbetrieb auf einen spezialisierten Weinbaubetrieb umzustellen.
B: Mein Vater kannte sich besser bei den typischen Rebsorten hier bei uns im Markgräflerland und auch in der Rebzüchtung aus.
Victoria Bretz, 32, Weingut Bretz, Bechtolsheim/Rheinhessen
A: Wir arbeiten nachhaltiger als unsere Eltern, im Weinberg wie im Keller. Und wir schauen mehr als früher, was der Kunde von morgen möchte.
B Ich würde gerne so akribisch wie meine Eltern arbeiten. Wie Jüngeren neigen dazu, hin und wieder etwas nachlässiger zu sein.
Steffen Burnikel, 32, Weingut Burnikel, Niederkirchen/Pfalz
A: Ich achte mehr als mein Vater auf Naturbelassenheit und schonende Traubenverarbeitung. Und ich lasse dem Wein mehr Zeit zum reifen.
B: Von ihm lernen kann ich vor allem sein Feingefühl bei der Ernte, bei der Bestimmung des optimalen Lesezeitpunkts.
Hans-Christoph Stolleis, 32, Mußbach/Pfalz
A: Wir Jungen kommunizieren mehr, tauschen uns aus, arbeiten nicht gegeneinander, sondern miteinander.
B: Lernen kann ich von der jahrzehntelangen Erfahrung meines Vaters im Hinblick auf Lagen, Rebsorten, Wetter und die Entwicklung der einzelnen Jahrgänge.
Mara Walz, 35, Weingut Walz, Ensingen/Württemberg
A: Wir machen manches anders und neu: neue Vinothek, neue Formen der Vermarktung, mehr Social Media, größere Nähe zum Kunden.
B: Traktorfahren, Traktorfahren…
Über den Autor*Innen
Klaus Pfenning
Klaus Pfenning wuchs am Rande des Odenwalds auf – und damit eher mit Apfelwein. Erst im frühen Erwachsenenalter wurde ihm bewusst, dass sich auch aus anderen Früchten wunderbare Weine herstellen lassen. Vor allem aus Trauben, weißen wie roten. Vor 30 Jahren verlegte der Naturliebhaber seinen Lebensmittelpunkt an die Badische Bergstraße. Von dort aus kann er nicht nur den heimischen Winzern bei der Arbeit zuschauen. Sondern auch hinüberblicken in die Pfalz und nach Rheinhessen. Dem wachsenden Interesse am Wein konnte das nicht schaden.