Ein Frühjahr voller köstlicher Verlockungen

Nicht dass es das ganze Jahr keine gute Küche geben würde. Aber im Frühjahr zeigt das Salzkammergut groß auf und präsentiert mit den Veranstaltungsreihen „Salz in der Suppe“ und dem Felix Wirtshausfestival, wozu die hiesige Kulinarik fähig ist. Und da sind einige romantische wie auch kreative Events dabei.

Ein wenig neidisch könnte man schon werden auf die Menschen im Salzkammergut. Nicht nur dass sie in einer malerischen Landschaft mit hohen Bergen und allerhand idyllischen Seen leben. Und dass sie dank des „Weißen Golds“ des Salzabbaus, schon früh und dauerhaft zu Wohlstand kamen. Und dann zog es dank der Dauerpräsenz des Kaisers Franz Josef im 19. Jahrhundert in Nad Ischl allerhand noble Leute in die Region. Davon zeugen noch viele vornehme Villen, die bevorzugt die Seeufer garnieren. Heute mangelt es weder an urigen Wirtshäusern noch an edlen Restaurants mit Hauben- und Sterneauszeichnungen. Dazu hat man es hier verstanden, das kulinarische Handwerk weiter zu erhalten und zu pflegen. Dazu gehören die zahlreichen Fischereibetriebe genauso wie die Bäcker und Fleischhauer, Schnapsbrenner und Bierbrauer, die ganz auf Tradition setzen. 

Und jetzt in den Frühjahrswochen zeigen sie, was sie können. Dafür gibt es zum Beispiel die noch recht junge Veranstaltungsreihe „Salz in der Suppe“. Bis Anfang Mai öffnen zahlreiche Wirtshäuser, Restaurants und Genussmanufakturen ihre Pforten für kulinarische Entdeckungsreisen. Manchmal sind sie recht konventionell, zuweilen auch betont und absichtlich altmodisch, aber auch kreativ und spektakulär. Am 11. April kommen fünf der besten Köche der Wolfgangsee Region in St. Wolfgang zusammen zu einem Blind-Cooking-Duell, bei der auch die Show nicht zu kurz kommt. Oder wie wäre es mit einem exklusiven Brunch in der Gondel der Zwölferhornbahn in St. Gilgen am 17. April. Zuerst ein Aperitif, dann in die Gondel mit Frühstück und diversen kulinarischen Überraschungen. Und der Blick auf den Wolfgangsee ist atemberaubend.

Wasser gehört ja zum Salzkammergut wie das Salz und die Berge. Auf dem Attersee kann man am 23. April eine Genusstour auf dem See mit dem Klimt-Mahler-Schiff unternehmen. Während der 2,5-stündigen Rundfahrt mit Panoramablick auf das Höllengebirge und die imposanten Sommervillen entlang des Seeufers wird ein 3-gängiges Menü serviert. Und danach vielleicht noch in das prachtvolle Gustav-Klimt Museum in Schörfling direkt am See.

Oder man macht sich ganz individuell auf den Weg und besucht einige der Genussmanufakturen. Eines das nicht nur besonders viel zu bieten hat, sondern auch sehr gut versteckt ist, das ist das Seegut Eisl in Abersee. Genau genommen residiert die Familie Eisl am Südufer des Wolfgangsees. Dorthin führt ein etwas verwinkelter Weg über die Wiesen. Aber dann wird’s angenehm. Josef und Karoline Eisl betreiben den Hof mittlerweile in der 20. Generation. Seitdem der Vater auf Milchschafhaltung umgestellt hat, avancierte der Eisl zum Kultstätte für Feinschmecker, beliefert mit dem, wofür die Milch der mehr als 110 Schafe verwendet wird, zahlreiche Top Gastrobetriebe. „Die Schafmilch hat mehr Inhaltsstoffe, ist leicht mandelig, hat zwar Laktose, ist aber besser verträglich“, verrät der Eisl Josef. Im hofeigenen SB-Laden Wolke 7 gibt es dazu noch den beliebten Frischkäse mit Kräutern, Joghurts in Gläsern und etliche Marmeladen sowie Salami und Schinken. Im Sommer zieht es viele Wanderer und Radler zum Eisl für eine schmackhafte Pause. Und der Platz am Seeufer könnte kaum stilgerechter sein. Oft haben die Manufakturen zwar keine großen gastronomischen Einrichtungen. Dafür kann man sich mit hochwertigen Produkten versorgen und sich vor Ort über die Qualität schlau machen. So wie bei der Sennerei AnnaMax von Rainer H. Baumgartner in St. Agatha bei Bad Goisern. Oder bei Roland und Carina Pühringer in Ohlsdorf bei Gmunden am Traunsee, die seit 15 Jahren Wagyu Rinder züchten und deren Fleisch vermarkten. Das Futter kommt von den eigenen Wiesen. Geschlachtet wird zehn mal pro Jahr auf betont sanfte Art. „Es handelt sich ja nicht nur um sehr teure Ware. Es gibt auch Wagyu Produkte, die nicht mehr kosten als Fleisch aus dem Supermarkt,“ erzählt Roland Pühringer. Kaufen man man es online oder im Hofladen.

Wer dann am Ende der „Salz in der Suppe“ Veranstaltungen immer noch Appetit hat, kann sich ja noch dem Felix Wirtshausfestival widmen. Das läuft von Mitte März bis Ende Mai in der Region Traunsee Almtal. „Felix greift zu den Sternen heißt das heurige Motto. Dabei geht es um eine kulinarische Reise, bei der die besten Wirtshäuser der Region mit Sterneköchen zusammenarbeiten. In stilgerechter Atmosphäre treffen traditionelle Gerichte auf kreative Sterneküche, begleitet von regionalen Spezialitäten und edlen Weinen. Ein Highlight ist da die Genussroas am 17. April und 13. Mai mit dem Oldtimerbus, einem Mercedes-Benz von 1963. Von Gmunden führt die Tour zu Wirtshaus zu Wirtshaus. Entschleunigt reisen und genießen. Und das passt ja auch perfekt zum Salzkammergut.

Gut zu wissen
www.salzkammergut.at
www.wirtshausfestival.at

Über den Autor*Innen

Georg Weindl

Georg Weindl

Es hat schon sein Gutes, wenn man mitten in seinem Arbeitsgebiet lebt. Georg Weindl wohnt in Oberbayern und Österreich, schreibt Reisereportagen und Bücher, die sich überwiegend in den Alpen, Süddeutschland und in Italien abspielen und in zahlreichen deutschen und österreichischen Tageszeitungen und Magazinen veröffentlicht wurden und werden. Das tut er seit mehr als 30 Jahren. Die Kombination aus vertrautem Knowhow, guten Kontakten  und der Möglichkeit, immer wieder Neues zu entdecken, macht die Recherche besonders reizvoll.