Herbst in Rioja: Wenn Weinlandschaften zur Bühne werden

Herbst in Rioja: Wenn Weinlandschaften zwischen Reben, Architektur und Genuss zur Bühne werden - (c) CRR Rioja

Mit dem Herbst zeigt sich die DOCa Rioja von ihrer stimmungsvollsten Seite. Sobald die Weinlese abgeschlossen ist, verwandeln sich die Weinberge in ein leuchtendes Mosaik aus Gold-, Orange- und Rottönen. Die milderen Temperaturen schaffen ideale Bedingungen, um Spaniens berühmteste Weinregion entspannt zu entdecken – sei es bei einer Weinprobe, einer Wanderung durch die Reblandschaft oder einem Bummel durch historische Orte.

Weintourismus mit internationalem Renommee
Rioja gehört längst zu den bedeutendsten Weindestinationen Europas. Mehr als eine Millionen weintouristische Besuche wurden 2025 gezählt – ein neuer Höchstwert. Insgesamt öffnen 226 Weingüter ihre Tore für Gäste und bieten ein außergewöhnlich breites Spektrum an Erlebnissen. Internationale Anerkennung findet die Region regelmäßig im Ranking der World's Best Vineyards. So wurde Marqués de Riscal als erstes spanisches Weingut in die Hall of Fame aufgenommen. Auch Bodegas Ysios, Vivanco und Marqués de Murrieta zählen zu den weltweit ausgezeichneten Adressen für Weinerlebnisse.

Mehr als Wein
Doch Rioja begeistert nicht allein mit großen Weinen. Avantgardistische Kellereien treffen auf mittelalterliche Dörfer, moderne Weinbars auf traditionsreiche Bodegas. Museen, regionale Spezialitäten und saisonale Veranstaltungen machen die Region besonders im Herbst abwechslungsreich. Ob Genussreisende, Kulturinteressierte oder Aktivurlauber – hier findet jeder seinen eigenen Zugang zur faszinierenden Welt des Weins.

Perfekt für einen Kurztrip
Dank zahlreicher Direktflüge aus Deutschland nach Bilbao ist Rioja bequem erreichbar. Von dort aus sind die wichtigsten Weinorte mit dem Mietwagen in kurzer Zeit zu erreichen. Schon ein verlängertes Wochenende reicht aus, um die landschaftliche Vielfalt, die ausgezeichnete Gastronomie und die Gastfreundschaft der Region kennenzulernen – und den Herbst dort zu erleben, wo Wein seit Jahrhunderten zum Lebensgefühl gehört.

Tag 1: Wo spektakuläre Architektur auf große Weine trifft
Wer Rioja entdecken möchte, beginnt seine Reise etwa in der Rioja Alavesa – einer Region, in der sich jahrhundertealte Weintradition und zeitgenössische Architektur auf faszinierende Weise begegnen. Rund um das mittelalterliche Städtchen Laguardia liegen einige der renommiertesten Bodegas Spaniens. Zwischen historischen Gassen, kleinen Tapas-Bars und weiten Weinbergen eröffnet sich eine Landschaft, die Genuss und Design gleichermaßen zelebriert.

Schon die Fahrt durch die Region wird zum Erlebnis. Das geschwungene Dach der Bodegas Ysios, entworfen von Santiago Calatrava, fügt sich wie eine Welle in die Silhouette der Sierra de Cantabria ein. Wenige Kilometer entfernt setzt Marqués de Riscal mit dem ikonischen Bau von Frank Gehry ein architektonisches Ausrufezeichen und verbindet Wein, Kunst und Luxus zu einem außergewöhnlichen Gesamterlebnis. Einen spannenden Kontrast bietet schließlich Baigorri, dessen Kellerei nahezu vollständig im Hang verschwindet. Die unterirdische Bauweise nutzt die Schwerkraft bei der Weinbereitung und lässt die Landschaft nahezu unberührt erscheinen.

Passend zu dieser eindrucksvollen Kulisse präsentiert sich der Ysios Selección 2016 als charaktervoller Botschafter der Rioja Alavesa. Der reinsortige Tempranillo stammt aus über 35 Jahre alten Buschreben verschiedener kleiner Parzellen rund um Laguardia, Páganos, Elvillar und weitere Weinorte. Die Trauben werden von Hand gelesen und separat vinifiziert, bevor der Wein rund zwölf Monate in französischen Eichenfässern reift.

Im Glas leuchtet er in intensivem Kirschrot. Das Bouquet verbindet saftige rote und dunkle Beeren mit feinen Gewürznoten und einer dezenten mineralischen Nuance. Am Gaumen zeigt sich der Wein elegant und ausgewogen. Reife Frucht, seidige Tannine und dezente Röstaromen verleihen ihm Tiefe, während die lebendige Frische und der lange Nachhall seine Herkunft eindrucksvoll widerspiegeln. Ein Tempranillo, der die Vielfalt und Präzision der Rioja Alavesa auf überzeugende Weise zum Ausdruck bringt.

Tag 2: Eine Stadt, in der Rioja Geschichte schreibt
Wer die Seele der Rioja Alta erleben möchte, kommt an Haro nicht vorbei. Die charmante Kleinstadt gilt als Wiege großer Rioja-Weine und verbindet Tradition, Handwerkskunst und Gastfreundschaft auf einzigartige Weise. Besonders das berühmte Barrio de la Estación ist ein Paradies für Weinliebhaber. Rund um den historischen Bahnhof entstanden Ende des 19. Jahrhunderts einige der bedeutendsten Bodegas Spaniens, die bis heute das Ansehen der Region prägen.

Hier liegen renommierte Weingüter wie CVNE, López de Heredia, Muga und Roda nur wenige Schritte voneinander entfernt. Während López de Heredia mit historischen Kellern und klassischer Rioja-Stilistik begeistert, setzt Roda auf moderne Eleganz und einen zeitgemäßen Ausdruck der Tempranillo-Traube. Muga wiederum bewahrt ein selten gewordenes Handwerk und fertigt die eigenen Eichenfässer noch in der hauseigenen Küferei.

Den kulinarischen Ausklang findet der Tag in den lebhaften Tapas-Bars der Altstadt – idealerweise begleitet vom Finca Nueva Reserva 2014. Der reinsortige Tempranillo aus der Rioja Alta stammt aus ausgewählten Weinbergen und reifte 24 Monate in französischen und amerikanischen Eichenfässern. In der Nase entfaltet er Aromen von Pflaumen, schwarzen Kirschen und Brombeeren, ergänzt durch Vanille, Zedernholz, Kakao und feine Gewürznoten. Am Gaumen überzeugt der Wein mit reifer Frucht, harmonisch eingebundenen Tanninen und einer eleganten Länge. Ein charaktervoller Reserva, der die Balance zwischen klassischer Rioja und modernem Stil eindrucksvoll widerspiegelt.

Tag 3: Zwischen Kunst, Kultur und großen Rioja-Klassikern
Der letzte Reisetag führt nach Briones, einem der schönsten Weinorte der Rioja Alta. Hier hat die Familie Vivanco einen Ort geschaffen, an dem Wein weit über den Genuss im Glas hinausgeht. Das weitläufige Kulturzentrum mit angeschlossenem Museum zählt zu den bedeutendsten Einrichtungen seiner Art in Europa und verbindet die Geschichte des Weinbaus mit Kunst und Architektur. Werke von Pablo Picasso, Andy Warhol, Eduardo Chillida und Joaquín Sorolla machen den Besuch zu einem außergewöhnlichen Erlebnis, das Wein und Kultur auf beeindruckende Weise miteinander verknüpft.

Im Mittelpunkt steht jedoch der Wein selbst. Der Vivanco Reserva 2015, überwiegend aus Tempranillo gekeltert, präsentiert sich mit einer tief kirschroten Farbe und einem vielschichtigen Bouquet aus reifen dunklen Früchten, Vanille, balsamischen Anklängen und feinen Gewürzen. Am Gaumen zeigt er sich kraftvoll und zugleich elegant. Reife Tannine, eine präzise Säure und mineralische Nuancen verleihen ihm Struktur und Tiefe, während sein langer Nachhall die Handschrift der Rioja Alta eindrucksvoll widerspiegelt.

Zum Abschluss der Reise lohnt sich ein Abstecher nach Logroño. Auf Marqués de Murrieta verbindet das historische Castillo Ygay jahrhundertealte Weintradition mit erstklassigen Verkostungen. Wenige Kilometer weiter schlägt das kulinarische Herz der Stadt: In der legendären Calle del Laurel reiht sich eine Tapas-Bar an die nächste. Zwischen regionalen Spezialitäten und einem Glas Rioja klingt eine Reise aus, die eindrucksvoll zeigt, warum diese Region zu den faszinierendsten Weindestinationen Europas zählt.

Über den Autor*Innen

Carola Faber

Carola Faber

Seit mehr als 30 Jahren ist Carola Faber als freie Journalistin sowie Fotografin für verschiedene landesweite Printtitel und renommierte Online-Magazine aktiv. 2010 erhielt sie einen Fotopreis der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung. Außerdem hat sie bei der Hannoverschen Allgemeinen an der Serie "Mein Ausflug" mitgewirkt, der den European Newspaper Award erhielt. Seit 2013 erhielt sie im Rahmen der ITB beim Journalistenpreis Irland regelmäßig einen Platz unter den TOP 10. In Spanien wurde sie mit dem Internationalen Medienpreis der Costa Brava “Counties G! Awards” ausgezeichnet.