Ernsthafte Konkurrenz für Champagner

Zehn Jahre VDP-Sekt-Statut - Ernsthafte Konkurrenz für Champagner? - (c) Thomas Rentschler

Deutschland war mal Exportweltmeister. Autos, Maschinen, Chemische Erzeugnisse – made in Germany war der Exportschlager schlechthin. Doch inzwischen liegt die Bundesrepublik deutlich abgeschlagen hinter China (3,77 Billionen Euro), den USA (2,19 Billionen Euro) mit gerade noch mal 1,76 Billionen Euro auf Platz 3. 

Sekt geht immer
Doch in einer anderen Disziplin klappt es mit der Nummer 1 weltweit noch ganz gut: Dem Sektverbrauch. Jede Person in der Bundesrepublik ab 16 Jahren trinkt im Durchschnitt 3,6 Liter Schaumwein. Dahinter folgen Russland und die USA. Egal, ob Geburtstags- oder Beförderungsfeier, Weihnachten, Silvester oder das Wochenende einläuten: Häufig wird mit einem Glas Sekt angestoßen. 

Oft werden Marken vom Discounter wie Rotkäppchen oder Henkell ausgeschenkt – mit Preisen ab 4,50 Euro inklusive Sekt- und Mehrwertsteuer. Auf solch günstige Schaumweine entfällt das Gros des Konsums. Prosecco aus Italien und Cava aus Spanien sind oft bereits im gleichen Preissegment zu haben. Als Rolls-Royce gilt Champagner.

Eine Frage des Preises
Der Durchschnittspreis für eine Flasche Champagner liegt typischerweise bei 35 bis 60 Euro. Bekannte Hersteller sind Moët, Veuve Clicquot und Pommery mit ihren Einstiegsmarken. Preislich leicht darüber liegt Winzerchampagner, Grand Cru und bessere Brut-Abfüllungen bekannter Hersteller mit 40 bis 70 Euro. Und dann geht es preislich schnell in den dreistelligen Bereich mit den Premiummarken wie Dom Pérignon, Krug, Louis Roederer, Piper-Heidsieck oder Bollinger.

Sekt-Statut hat viel bewirkt
Deutscher Sekt hat in der mittleren und oberen Preisliga praktisch keine Rolle gespielt. Das hat sich erst durch das 2016 ins Leben gerufene VDP-Sekt-Statut geändert. Orientiert hat sich der Verband der Deutschen Prädikatsweinguter dabei an den Qualitätsmerkmalen für Champagner. Es gibt vier Stufen (Gutssekt, Ortssekt, Erste Lage und Große Lage). VDP-Sekt muss mindestens 15 Monate (Guts- und Ortssekt) beziehungsweise 36 Monate (Lagen- und Jahrgangssekt) auf der Hefe reifen. Damit übertreffen die Top-Sekte des VDP die Mindestanforderungen für Standard-Champagner (15 Monate).

Lange Reifung sorgt für vollen Geschmack
Bei der Weinbörse im April 2026 in Mainz habe ich sechs nach dem Sekt-Statut hergestellten Sekt verkostet. Drei Rieslingsorten brut nature und zwar den 2017 Goldloch von Diel an der Nahe mit 77 Monate Reifung. Danach ein 2018 Hassel von Barth in Rheinhessen mit 78 Monate Reifung und dann ein 2021 Rausch von Geltz Zilliken von der Mosel-Saar-Ruwer mit 72 Monate Reifung. 

Anschließend folgten drei Pinots vom Jahrgang 2017: Kirchenstück brut nature von Raumland in Rheinhessen mit (92 Monate Reifung), "Gold" extra brut von Ökonomierat Rebholz in der Pfalz (72 Monate Reifung) und Pure von Winter in Rheinhessen (60 Monate Reifung).

Sekt bei Blindverkostungen im oberen Bereich
Durch die Bank schmeckten alle sechs Sekte präzise, trocken ausgebaut und stark terroirgeprägt. Kein Wunder, dass dieser Sekt in Blindverkostungen bis zu 98 Punkte erzielte und mit gutem Champagner auf Augenhöhe konkurrieren kann. Beim Preis-Leistungsverhältnis liegt der nach dem VDP-Sekt-Statut hergestellte Schaumwein vor dem Champagner. Die verkosteten Sektsorten sind ab rund 40 Euro erhältlich.

Geht es nach dem Prestige, liegt Champagner (noch) vor dem Markensekt. Beim Geschmack kommt es darauf an, welche Rebsorten jemand eher mag: Champagner nutzt hauptsächlich Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier. VDP-Sekt setzt stark auf Riesling mit feiner Säure und körperreiche Burgundersorten wie Pinot, was zu einem anderen Geschmacksprofil führt. 

Über den Autor*Innen

Thomas Rentschler

Thomas Rentschler

Thomas Rentschler ist im Schwarzwald aufgewachsen und hat nach einer kaufmännischen Ausbildung bei einer Nachrichtenagentur und auf der Akademie für Publizistik in Hamburg das journalistische Handwerkszeug erlernt und anschließend sowohl als festangestellter Reporter und Redakteur sowie freier Mitarbeiter unter anderem für die Nachrichtenagentur dpa, Zeitungen (Financial Times Deutschland, taz, WAZ, Welt am Sonntag), Zeitschriften (Focus, MAX, Wirtschaftswoche), Hörfunk (Deutschlandfunk, Korean Broadcasting System, NDR, Radio Zürisee, WDR) und TV (MDR) im In- und Ausland (Schweiz, Spanien u