Weißer Rausch und Haubenküche

Weißer Rausch und Haubenküche - In St. Anton am Arlberg kommen Wintersportler und Feinschmecker auf ihre Kosten - (c) Gabi Vögele

Als Wiege des alpinen Skisports genießt St. Anton am Arlberg unter Wintersport-Fans einen legendären Ruf. Ein Ingenieur aus Norwegen, der für den Bau des Arlbergtunnels von 1880 bis 1884 nach Tirol gekommen war, brachte die Bergbauern hier erstmalig mit den langen Brettern in Kontakt, auf denen er regelmäßig zur Arbeit rutschte. Wurden die ersten Ski-Pioniere von den Einheimischen noch als leichte Spinner belächelt, legte die Gründung des Ski-Clubs Arlberg 1901 den Grundstock für die Entwicklung der Region zum Wintersport-Mekka. Und spätestens mit dem Film „Der weiße Rausch“, der im Winter 1930/31 in St. Anton gedreht wurde, wurde die Gegend endgültig zur Wintersport-Legende. Die Landschafts- und Skiaufnahmen begeisterten die Kritiker damals mehr als die Handlung. Den Skilehrer Hannes Schneider vom Arlberg, der in dem Film der jungen Leni Riefenstahl das Skifahren beibringt, machte die Komödie trotzdem zum Filmstar.

Von diesem Image-Push zehrt St. Anton am Arlberg im Grunde bis heute. Mit 85 Bergbahnen und Skiliften, mehr als 300 Kilometer markierten Abfahrten und 200 Kilometer unberührter Tiefschneeabfahrten im freien Gelände ist das Skigebiet am Arlberg heute das größte zusammenhängende Skigebiet Österreichs und eines der fünf größten weltweit. Auf der längsten Abfahrt des Skigebiets legt man auf 7,5 Kilometern einen Höhenunterschied von 1.350 Metern zurück – von der Valluga bis hinunter nach St. Anton. Von der Aussichtsplattform auf der Valluga in 2.811 Metern Höhe kann man zuvor noch das 360 Grad-Bergpanorama genießen mit Blick auf die Lechthaler und Allgäuer Alpen, die Verwallgruppe, die Ötztaler Alpen und sogar bis ins schweizerische Graubünden. www.skiarlberg.at

Mit seinen schier endlosen Pistenkilometern und der beeindruckenden Bergkulisse zählt St. Anton am Arlberg zu den renommiertesten Wintersportorten weltweit. Entsprechend international ist das Publikum, das man hier im Winter antrifft. Die Gäste kommen aus über 50 Nationen, erzählt Yannick Rumler vom Tourismusverband St. Anton am Arlberg. Und sie können hier nicht nur ausgiebig dem Ski-Vergnügen frönen. Auch wer gehobene Kulinarik schätzt, kommt in St. Anton und Umgebung mehr als auf seine Kosten. Die Hütten und Restaurants in dem Skigebiet bieten neben traditionellen Tiroler Spezialitäten auch Spitzenküche auf hohem Niveau. Insgesamt acht Restaurants führt der „Gault&Millau“ auf mit zusammen 21 Hauben.

Ein guter Ausgangspunkt für einen Genießer-Urlaub am Arlberg ist das Hotel „Schwarzer Adler“ der Familie Tschol direkt in der Fußgängerzone von St. Anton. Zu Fuß ist man von hier in ein paar Minuten an der Talstation der Galzig-Bahn und damit mittendrin im Skivergnügen. Und nach einem Skitag auf der Piste kann man in der über 400 Jahre alten Stube des Hotels die von „Gault&Millau“ mit 2 Hauben dekorierte Gourmetküche von Küchenchef Stephan Dialer genießen. Beste heimische Produkte benennt der Koch als Geheimnis seiner Küche. Auf der Speisekarte findet man etwa hausgebeizte Tiroler Lachsforelle mit Limettenmayo, Gurke und Senfsaat, Carpaccio vom österreichischen Rind mit Trüffelcreme und eingelegtem Gemüse oder Tiroler Hirschrücken mit Selleriepüree, Nuss-Schupfnudeln und Wacholdersauce. https://www.schwarzeradler.com

Hummer am Berg auf über 2.000 Metern 
Fährt man mit der Galzigbahn dann hoch zur Bergstation der Bahn, könnte man gleich schon im nächsten Hauben-Restaurant einkehren. Die Verwallstube direkt in der Bergstation am Galzig bietet auf 2.085 Metern mit ihren großen Panoramafenstern nicht nur einen fantastischen Rundumblick auf die schneebedeckten Gipfel der Arlberg-Region. Hier kann man in einem der höchstgelegenen Hauben-Restaurants Europas auch die mit 3 Hauben dekorierte Kochkunst von Küchenchef Matthias Weinhuber genießen. Auf der Speisekarte geht es hier ähnlich international zu wie unter den Gästen in St. Anton. Neben österreichischen Klassikern wie geschmorten Kalbsbackerln oder dem Verwallstuben Gröstl bekommt man hier oben auf dem Berg auch Offene Ravioli mit Hummer, Orange, Curry, Kokos, Spinat und Wermut oder eine Bouillabaisse mit Knoblauchbrot und Sauce Rouille serviert. Wer dazu die exzellente Weinauswahl genießen möchte, der sollte am besten zum Candlelight-Dinner immer Donnerstag abends mit der Gondel hochfahren zur Galzig Bergstation. So kann man nicht nur das Glas Wein in der Verwallstube genießen, ohne anschließend noch mit den Skiern auf die Piste zu müssen, sondern auch den Blick auf das nächtlich erleuchtete St. Anton und das Erlebnis der nächtlichen Gondelfahrt. https://www.verwallstube.at/de/

Einen grandiosen nächtlichen Blick auf die Dächer von St. Anton und exquisite Hauben-Küche bietet auch das Restaurant „Ooben im Mooser“ im Mooser Hotel. Das Hotel liegt direkt an der Piste der Talabfahrt vom Galzig nach St. Anton. Das Restaurant „Ooben im Mooser“ findet man, wie der Name verspricht, ganz oben unter dem Dachstuhl. Große Fensterfronten im urigen Dachgebälk erlauben einen weiten Blick auf den Ort. Und auch kulinarisch spielt das „Ooben im Moser“ in St. Anton oben mit, mit einer Haube im Gault&Millau. Küchenchef Lukas Gritsch und sein Team verarbeiten fast ausschließlich heimische, regionale Produkte. Die Lieferanten sind auf der Speisekarte namentlich aufgeführt. Der Alpensaibling mit Kohlrabi, Apfel, Kren und Saiblingskaviar kommt aus der Ramsau, das Fleisch für das Kalbsbackerl mit Trüffelpolenta, Babykarotte und Kalbsjus aus dem Tiroler Oberland. https://www.mooserhotel.at/de/restaurant/

Eine Edelbrand von der Arlberger Arle 
Dass es in St. Anton aber auch richtig urig geht, das zeigt Tanja Senn in der Sennhütte, die ebenfalls direkt an der Talabfahrt vom Galzig nach St. Anton liegt. Die Hüttenwirtin, die die traditionsreiche Sennhütte in zweiter Generation mit ihrem Mann Markus betreibt, ist ein echter Tausendsassa. „Ich bin sehr vielseitig“, sagt sie selbst von sich und das ist noch untertrieben. Ihre Verbundenheit mit der Natur der Tiroler Berge lebt sie unter anderem als Kräuterpädagogin, Naturführerin und Waldpädagogin. Rund um die Sennhütte hat sie einen großen Garten mit Alpenblumen, vielen Kräutern und einem Naturspielplatz angelegt. Im Sommer bietet sie auf dem „WunderWanderWeg“, der durch ihr Naturparadies führt, wöchentliche Führungen an. Absolutes Highlight ist dabei der Edelweiß-Weg. Er besteht aus über 100.000 einzelnen Edelweiß-Blüten. Damit steht die Sennhütte auch im Guiness Buch der Rekorde mit der größten Anordnung von Edelweiß-Blüten weltweit. 

Das ist aber nicht das einzig Einzigartige an der Sennhütte. Denn Tanja Senn ist auch noch Schnapsbrennerin und Edelbrandsommelière. Im Keller der Hütte steht der Kupferkessel, mit dem sie ihre Brände produziert. Dabei kommen natürlich auch die Kräuter aus dem eigenen Kräutergarten zum Einsatz, etwa beim Arlberg-Gin, der mit mehr als 15 verschiedenen Kräutern angesetzt ist. Im Gastraum der Hütte, wo es im Winter auch regelmäßig Hüttenzauber mit Live-Musik gibt, sind die großen Glasgefäße mit ihren Bränden und Likören auf einem Holzregal dekorativ aufgereiht. 

Eine Besonderheit ist dabei die Arlberger Arle. Der Edelgeist wird aus den Zapfen der Arle hergestellt. Diese spezielle Latschenart kommt nur in der Arlberg-Region vor und hat dem Arlberg auch seinen Namen gegeben. Ein typischeres Getränk für die Region als den klaren Geist, der das bittere Aroma der Zapfen und die leichte Süße des Baumharzes vereint, gibt es also nicht. Zum Glück ist die Hütte ganz nah an der Talstation der Galzigbahn. Weit hat man es nach einem Gläschen oder zwei also nicht mehr in den Ort.  www.sennsationell.at

Genuss-Netzwerk STANTON CULINARY COLLECTIVE
Den hohen Stellenwert, den die kulinarischen Genüsse in St. Anton einnehmen, zeigt auch das neue Genuss-Netzwerk STANTON CULINARY COLLECTIVE. Zehn Köche aus acht führenden Gastronomiebetrieben in St. Anton - darunter Matthias Weinhuber von der Verwallstube und Massimo Vianello vom Ooben im Mooser - haben sich zu der gemeinsamen Initiative zusammengeschlossen, um die kulinarische Qualität der Region sichtbar zu machen. Das Netzwerk vereint drei Michelin-Sterne und 22 Gault&Millau-Hauben. Erste gemeinsame Aktion des neuen Netzwerks ist die Culinary Week, die vom 30. März bis 6. April 2026 in St. Anton stattfindet. Eine Woche lang laden die beteiligten Betriebe dabei zu wechselnden Chef’s Tables ein, bei denen die Gäste Einblicke in die Arbeitsweisen und Ideen der Köche erhalten. Den Abschluss bildet am 6. April eine gemeinsame Kitchen Party im Hotel Tannenhof. Alle Infos und Tickets für die Chef’s Tables sowie für die Kitchen Party gibt es unter www.stantonamarlberg.com

Über den Autor*Innen

Gabi Vögele

Gabi Vögele, geboren 1967 in Eichstätt/Bayern, arbeitete nach dem Studium von Journalistik und Geographie als Journalistin für Süddeutsche Zeitung und Abendzeitung. Seit 2005 ist sie freiberuflich als Journalistin tätig. Ihre Themen: Reisen, Outdoor-Aktivitäten, Genuss.

Draußen unterwegs sein, sich in der Natur bewegen, Landschaften entdecken, interessante Menschen treffen und einfach genießen – sei es den würzigen Bergkäse auf der Alm, das gute Glas Rotwein an einem langen Winterabend oder das überraschende Sechs-Gänge-Menü eines kreativen Kochs.